{"id":159,"date":"2016-02-10T18:08:24","date_gmt":"2016-02-10T16:08:24","guid":{"rendered":"http:\/\/astridschmeda.de\/?page_id=159"},"modified":"2016-02-10T18:09:13","modified_gmt":"2016-02-10T16:09:13","slug":"159-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/astridschmeda.de\/?page_id=159","title":{"rendered":"Venus und Adonis"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/astridschmeda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Titel-Venus-und-Adonis-Druckvorlage.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/astridschmeda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Titel-Venus-und-Adonis-Druckvorlage.jpg\" alt=\"Titel-Venus-und-Adonis-Druckvorlage\" width=\"191\" height=\"300\" class=\"alignnone size-full wp-image-160\" \/><\/a><\/p>\n<p>Venus und Adonis ist ein biografischer Roman \u00fcber die Malerin Vanessa Bell, Schwester von Virginia Woolf, und ihren Weg in der revolution\u00e4ren K\u00fcnstlergruppe \u201eBloomsbury\u201c vom Anfang des 20. Jahrhunderts.<br \/>\nBloomsbury ist ein Stadtteil von London und steht f\u00fcr eine gesellschaftsver\u00e4ndernde Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, vergleichbar mit der von 1968 in Deutschland.<\/p>\n<p>Den Anfang machten 2 junge Frauen, Schwestern, die nie eine Schule besucht hatten: Virginia Woolf wurde als Schriftstellerin ber\u00fchmt, Vanessa Bell als Malerin. Sie schufen mit den Freunden ihres Bruders Thoby aus Cambridge einen intellektuellen Kreis, in dem die Konventionen und die Moral der viktorianischen Zeit \u00fcber Bord geworfen wurden.<\/p>\n<p>Vanessa Bell setzte diese Freiheit, nur den eigenen Empfindungen zu folgen und nicht der verlogenen Tradition, am radikalsten in ihrem Leben um: Sie heiratete und hatte zwei Kinder, folgte dann der Liebe ihres Herzens zu dem homosexuellen Maler Duncan Grant, von dem sie ihr drittes Kind bekam. Sie arbeitete hart an der Entwicklung ihrer Malerei, verdiente ihr eigenes Geld, reiste viel, um zu lernen. Sie unterhielt zwei gro\u00dfe Haushalte, in der Stadt und auf dem Lande, gr\u00fcndete f\u00fcr ihre Kinder eine eigene Schule, stand im Mittelpunkt von Partys und Gesellschaften.<br \/>\nNach einer Jugend, in der sie den fr\u00fchen Tod der Mutter, der \u00e4ltesten Schwester sowie des geliebten Bruders \u00fcberwinden musste und sich um die suizidgef\u00e4hrdete Schwester k\u00fcmmerte, kam der 1. Weltkrieg. Vanessa betrieb eine Farm f\u00fcr Kriegsdienstverweigerer, denn die meisten Bloomsburys waren engagierte Pazifisten.<br \/>\n1928 \u2013 1938 fuhr sie jedes Jahr f\u00fcr mehrere Monate nach Cassis ans Mittelmeer, und nat\u00fcrlich kam Bloomsbury hinterher: Vanessas Ehemann, die Kinder, die Lover von Duncan, Virginia mit Leonard und viele andere. Doch 1937 konnte sie ihren \u00c4ltesten nicht halten: Julian zog in den Krieg gegen Franco.<br \/>\nWie bei allen Widrigkeiten und H\u00e4rten des Lebens half ihr nur eines: die Kunst.<\/p>\n<p>Roman von Astrid Schmeda<br \/>\nISBN 978-3-943446-18-0<br \/>\n504 Seiten<br \/>\n\u20ac 19,90<br \/>\nEdition Contra Bass<\/p>\n<p>Leseprobe<\/p>\n<p>Die V\u00f6gel sangen die gleichen Melodien wie in England. Doch jetzt war eine fremde Stimme hinzu gekommen: ein kurzes Hu-hu-hu. Vanessa hatte die Vorh\u00e4nge nicht zugezogen. Die Sonne warf ihre ersten Strahlen von den H\u00fcgeln im Osten \u00fcber die noch von der Nacht umfangenen Zedern und Zypressen und weiter bis zu dem Weinfeld vor dem Haus, zwischen dessen Reihen kleine wei\u00dfe und gelbe Blumen leuchteten. Vanessa wartete, bis der erste Strahl auf ihr Fenster traf, auf die gelbe Wand, die Vase mit den Tulpen, den Zeichenblock auf dem Pult. Sie atmete tief, zog die Bettdecke noch einmal \u00fcber die Nase, streckte sich. Unter der Decke ein Geruch nach K\u00f6rper, nach Sperma. Vanessa genoss die Erinnerung wie ein zutiefst geheimes Gl\u00fcck. Sie schob sich etwas h\u00f6her, befreite den Oberk\u00f6rper von den schweren Daunen.<\/p>\n<p>Das Gef\u00fchl von Freiheit nach dem Tod ihres Vaters: Es war nicht irgendeine kleine, banale Freiheit, es war, als sei sie nach langer Gefangenschaft in einem dunklen Zimmer ins Freie und ins Licht getreten. Ginny w\u00fcrde andere Worte finden, weniger salbungsvolle, aber f\u00fcr sie war es genau so. Vanessa sch\u00e4mte sich nicht, dass der Tod des Vaters eine solche Erleichterung ausgel\u00f6st hatte. Die letzten Jahre mit ihm waren eine Schinderei gewesen. Seine Trauer \u00fcber den Tod der Mutter war ein Brei, den er mit grausamem Vergn\u00fcgen jeden Tag neu anr\u00fchrte, um ihnen vorzuf\u00fchren, wie er fast darin versank, damit alle, seine Kinder, die Hausangestellten und Freunde, ihn bemitleideten, ihm Zuwendung und Z\u00e4rtlichkeit schenkten. Doch Vanessa hatte das verweigert. Sie war 16 Jahre alt, als die Mutter 1895 pl\u00f6tzlich starb. Und nachdem das Ungl\u00fcck kein Ende nahm, da die gro\u00dfe Halbschwester ihr zwei Jahre sp\u00e4ter folgte, sollte Vanessa dem Vater Trost, Liebe und F\u00fcrsorge spenden. Sie tat nur das N\u00f6tigste, und das war schon eine schwere B\u00fcrde: die Besprechungen mit der K\u00f6chin und den Hausm\u00e4dchen, die Planung der Mahlzeiten und die Einladungen der G\u00e4ste, aber am schlimmsten war, wenn sie am Anfang der Woche dem Vater das Haushaltsbuch vorlegen musste und der um jeden Penny in ungez\u00fcgeltes Gejammer von drohender Armut und Hunger ausbrach.<\/p>\n<p>Sie hatte sich auch dem Halbbruder verweigert, der sie in die gehobene Gesellschaft einf\u00fchren wollte, und sie auf B\u00e4lle und Dinnergesellschaften schleppte mit dem Ziel, ihr die Verhaltensvorschriften eines wohlerzogenen jungen M\u00e4dchens beizubringen und am Ende einen respektablen Ehemann zu finden. Vanessa schmunzelte. Armer, dummer George. So milde konnte sie heute \u00fcber ihn denken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Venus und Adonis ist ein biografischer Roman \u00fcber die Malerin Vanessa Bell, Schwester von Virginia Woolf, und ihren Weg in der revolution\u00e4ren K\u00fcnstlergruppe \u201eBloomsbury\u201c vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Bloomsbury ist ein Stadtteil von London und steht f\u00fcr eine gesellschaftsver\u00e4ndernde Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, vergleichbar mit der von 1968 in Deutschland. 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