{"id":25,"date":"2013-10-23T12:12:13","date_gmt":"2013-10-23T10:12:13","guid":{"rendered":"http:\/\/astridschmeda.de\/?page_id=25"},"modified":"2013-10-31T14:56:26","modified_gmt":"2013-10-31T12:56:26","slug":"quasi-una-fantasia","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/astridschmeda.de\/?page_id=25","title":{"rendered":"Quasi Una Fantasia"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/astridschmeda.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Titel_Quasi.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-127\" alt=\"Titel_Quasi\" src=\"http:\/\/astridschmeda.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Titel_Quasi.jpg\" width=\"140\" height=\"223\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Quasi una Fantasia<\/em> &#8211; Wie ein Traum erschien Fanny Mendelssohn das Jahr in Italien. Es ist das Thema ihres Januar \u2013 St\u00fcckes, denn im Januar 1844 begann ihre Zeit in Rom, in der sie sich gr\u00fcndlich ver\u00e4nderte: fern von den Einschr\u00e4nkungen der Familie in Berlin und den Konventionen ihres Standes entwickelte sie sich zur bewunderten und gefeierten Pianistin und Komponistin. Auch die Klavierlehrerin Selma, die Fannys Geschichte erz\u00e4hlt, hatte in ihrer Kindheit den Traum, sich aus der Enge der famili\u00e4ren Zw\u00e4nge der 50iger Jahre heraus zur Frau und K\u00fcnstlerin zu entwickeln.<\/p>\n<p>Fanny, Tochter aus reichem, b\u00fcrgerlichen Hause j\u00fcdischen Ursprungs, war die hochbegabte \u00e4ltere Schwester des ber\u00fchmten Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy. Sie erhielt die gleiche Ausbildung wie die Br\u00fcder, doch ihr war seitens des strengen Vaters der Weg in die \u00d6ffentlichkeit versperrt. Nach dem Tod des Vaters \u00fcbernahm Felix die Aufgabe, Fanny an ihre Hausfrauen- und Mutterpflichten zu binden und ihr die Ver\u00f6ffentlichung ihrer Werke zu versagen. So k\u00e4mpfte Fanny zeitlebens mit der Beschr\u00e4nkung, nur eine Frau zu sein \u2013 und schrieb dennoch. Auf ihrer Reise mit ihrem Mann Wilhelm Hensel und ihrem Sohn Sebastian nach Italien, vor allem aber in Rom, l\u00f6ste sie sich aus den famili\u00e4ren Beschr\u00e4nkungen und erlebte zum ersten Mal das Gl\u00fcck, Anerkennung und Bewunderung zu erfahren als Pianistin, als Komponistin \u2013 und als Frau: Sie begegnete dem Komponisten Gounod, der sie gl\u00fchend verehrte und zu dem sie eine z\u00e4rtliche Zuneigung entwickelte.<\/p>\n<p>Fannys Jahr in Italien wird in dem Roman erz\u00e4hlt von der Klavierlehrerin Selma, die in der heutigen Zeit lebt. Selma wendet sich wie in einem Brief pers\u00f6nlich an Fanny und kommt ihr dadurch sehr nahe. In einer kurzen Rahmenerz\u00e4hlung am Ende jedes Kapitels erinnert Selma sich an ihre erste Begegnung mit dem Klavier, an ihre Klavierstunden, und wie das Klavierspiel sie aus der Enge ihres Zuhauses heraushob. Die Sehnsucht nach einer k\u00fcnstlerischen Entwicklung geht zusammen mit der Entwicklung vom M\u00e4dchen zur Frau und den Hindernissen, vor die sie sich durch ihren Vater, aber auch durch ihre soziale Herkunft, gestellt sieht.<\/p>\n<p>Fanny Mendelssohn starb, kurz nachdem sie ihre ersten Ver\u00f6ffentlichungen wagte, mit 42 Jahren in Berlin. Felix zerbrach an ihrem Tod und folgte ihr ein halbes Jahr sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Der Roman, in 12 Kapitel gegliedert, orientiert sich an den 12 Klavierst\u00fccken, die Fanny nach ihrer italienischen Reise wie ein musikalisches Tagebuch schrieb. Durch die Rahmenhandlung wird die Geschichte Fanny Mendelssohns in einen aktuellen Bezug gestellt.<\/p>\n<p>1.Auflage 2002 (in limitierter Sonderauflage mit eingelegter CD: Fanny Mendelssohn-Hensel, \u201eDas Jahr \u2013 12 Charakterst\u00fccke f\u00fcr das Forte Piano\u201c, eingespielt von Liana Serbescu)<br \/>\nEdition Nautilus, Hamburg<br \/>\nISBN 3-89401-395-8<\/p>\n<p><strong>Leseprobe<\/strong><\/p>\n<p>Du w\u00fcrdest gern \u00fcberpr\u00fcfen, ob der Karneval in Rom noch so ist, wie Goethe ihn beschrieben hat. Den ersten Blick auf den Karnevals verschafft Ihr drei Euch von einem Balkon. Doch Du wei\u00df gleich: Du m\u00f6chtest n\u00e4her heran. Die vielen ungew\u00f6hnlichen Kost\u00fcme kannst Du so von Ferne gar nicht erfassen, Du m\u00f6chtest alles genau sehen. M\u00e4nner in Frauenkleidung auf den Kutschb\u00f6cken. Die verschiedensten Nationalit\u00e4ten endeckts Du und die verr\u00fccktesten Gestalten. Und \u00fcberall aus den Fenstern wird mit Mehl geworfen und mit Konfetti, eimerweise. Noch manchen Dir diese Ladungen, die alle ohne ansehen der Person, feine Damen wie kleinen Strolchen, ins Gesicht geworfen werden, etwas Angst.<\/p>\n<p>Einmal versucht Ihr es zu Fu\u00df, aber dabei geratet Ihr so sehr ins Gedr\u00e4nge, dass Du nichts mehr sehen kannst, auch besteht Gefahr, da\u00df Ihr Euch verliert. Schlie\u00dflich mietet Ihr Euch eine Kutsche, und nun erlebst Du, was der eigentliche Spa\u00df ist. Es gibt einen Kampf unter den Kutschen, der mit Gipswurfgeschossen, Blumenstr\u00e4u\u00dfen, Konfetti und Mehl ausgetragen wird. Du wei\u00dft bald nicht mehr, wo Du zu erst hinschauen und was Du tun sollst. Du l\u00e4\u00dft Dich vollkommen in diesen Wirbel fallen, das Geschrei, das Lachen, Ausweichen und Bewerfen.<\/p>\n<p>Ihr entdeckt Wagen mit skurrilen Gestalten, es fahren Maskierte auf Eurem Trittbrett mit, mit denen Ihr debattiert. Du denkst nicht daran, was die anderen denken, nicht, was mache ich f\u00fcr ein Gesicht, was wird von mir erwartet? Du schreist mit Sebastian um die Wette, das Ihr am Abend heiser seid. Jette schl\u00e4gt die H\u00e4nde \u00fcber dem Kopf zusammen, als sie Euch heimkommens sieht. Aber Ihr wollt gleich wieder los. Jetzt f\u00e4hrst Du auch ohne Wilhelm, der immer noch schnell ersch\u00f6pft ist. Du bist im Rausch, Du kennst Dich selber nicht wieder. Noch nie hast Du alles so hinter Dir gelassen. Du wirst angelacht und lachst zur\u00fcck. Ein wildes Tempo erfa\u00dft Dich. Da sind Deine schnellen Treppenstufen, das Hinunterpoltern und leichtf\u00fc\u00dfige Hinauflaufen. Das es regnet, st\u00f6rt Dich nicht. Nur weiter! Leben, jetzt! Alles f\u00e4llt vom Dir ab, die Todesangst, die Fremdheit und das Gewand der sittsamen preu\u00dfischen Bankierstochter. Du h\u00f6rst Dein Lachen und wunderst Dich &#8211; so einfach ist das Gl\u00fcck zu finden? Du kannst Dich nicht satt sehen an diesen entz\u00fcckenden, farbenpr\u00e4chtigen Gestalten, diesen Reichtum an Phantasie und Tollheit. Du entdeckst wieder, was Goethe beschrieb. Es ist, als sei er gerade noch dabei gewesen.<\/p>\n<p>H\u00f6hepunkt und Abschlu\u00df ist der Moccoletti &#8211; Abend. Jeder auf seiner Kutsche versucht, sein Talglicht zu bewahren und das der anderen auszul\u00f6schen. Ihr habt Euch gut pr\u00e4pariert, doch die Angriffe kommen von allen Seiten, Ihr k\u00e4mpft Euch tapfer durch, es ist schwer, die Lichter wieder anzuz\u00fcnden, sie werden geklaut, mit Wasser \u00fcbersch\u00fcttet, ausgeschlagen. Und selber bist Du so angriffslustig wie Du Dich gar nicht kennst, es ist so ein Spa\u00df! Schlie\u00dflich aber gebt Ihr auf, und da h\u00f6rst Du die ganz eigenen T\u00f6ne dieser Karnevalesken: Senza moccolo! rufen die Maskierten aus den anderen Kutschen Euch zu, aber es ist ein Trauern mit Euch, ein Beschimpfen, ein Auslachen. Sie verstehen diesen Ausruf in allen Tonarten zu singen, verwirrt und ersch\u00f6pft la\u00df Ihr ist geschehen. Da h\u00f6rst Du die tief in Schl\u00e4gel der Kirchturmuhr: Zw\u00f6lf Mal. Im Fest ist aus.<\/p>\n<p>Wie ich diese Schl\u00e4ge Deiner Uhr liebe,Fanny!<\/p>\n<p>Die letzten tanzenden Gestalten huschen zwischen den unerbittlichen, aber auch erl\u00f6senden Glockenschl\u00e4gen davon. Kobolde, Hexen, Gespenster, im milchigen Licht des Mondes, \u00fcber Treppen, dort hinter einer Stra\u00dfenecke, noch einmal lacht jemand hell auf. Der Spuk ist vorbei.<\/p>\n<p>Das Sichtreibenlassen genie\u00dft Du in in Rom zum ersten Mal und findest darin ein Lebensprinzip, das der Kunst nicht entgegensteht, im Gegenteil, da\u00df ihre Sch\u00e4tze erst hervorbringt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quasi una Fantasia &#8211; Wie ein Traum erschien Fanny Mendelssohn das Jahr in Italien. 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