{"id":37,"date":"2013-10-23T12:19:03","date_gmt":"2013-10-23T10:19:03","guid":{"rendered":"http:\/\/astridschmeda.de\/?page_id=37"},"modified":"2013-10-31T15:01:22","modified_gmt":"2013-10-31T13:01:22","slug":"wir-werden-wild-sein","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/astridschmeda.de\/?page_id=37","title":{"rendered":"Wir werden wild sein"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/astridschmeda.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Titel_wild.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-138\" alt=\"Titel_wild\" src=\"http:\/\/astridschmeda.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Titel_wild.jpg\" width=\"151\" height=\"223\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Wir werden wild sein<\/em> versetzt uns in den S\u00fcden Frankreichs. Lucio ist in Nicaragua geboren, seine Eltern sind Deutsche. Julie und Daniel verbrachten eine Zeit in Nicaragua, um sich am Aufbau von Kollektiven nach der Revolution zu beteiligen. Dieser Traum von einem anderen Leben in einer Gemeinschaft hat sie gepr\u00e4gt und besch\u00e4ftigt auch Lucio. Er und seine Freunde Manolo, Jon, Victor und Anouk erleben die letzten drei Schuljahre auf dem Gymnasium in N\u00eemes. Sie sind besch\u00e4ftigt mit Bevormundung und Ungerechtigkeiten in der Schule, den Problemen in den Familien. Sie machen Rapmusik, rauchen Haschisch, setzen sich mit Abh\u00e4ngigkeiten auseinander und sind mit der Gewalt auf der Stra\u00dfe und der des Staates konfrontiert. Lucio erlebt seine erste gro\u00dfe Liebe sowie den ersten Trennungsschmerz, er zieht im letzten Schuljahr zu Hause aus und beginnt ein selbst\u00e4ndiges Leben in der Stadt. Julie und Daniel versuchen, neben ihren eigenen Problemen, zu Lucio zu stehen und ihn zu unterst\u00fctzen, sie gehen dabei einen schmalen Pfad zwischen Angst, Zweifel, Freude und Zuversicht. Der Roman ist mit viel Witz und gro\u00dfem Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen in die Welt der Jugendlichen, aber auch der Eltern geschrieben.<\/p>\n<p>ISBN 978-3-943446-00-5<br \/>\nca 420 Seiten<br \/>\n24.90 \u20ac<br \/>\nEdition Contra-Bass<\/p>\n<p><strong>Leseprobe<\/strong><\/p>\n<p>Lucio ging langsam auf sie zu. Alle Ger\u00e4usche, das Lachen und Schreien, Rufen und Rennen auf dem Schulhof, das Rauschen der Umgehungsstra\u00dfe, das Brummen der Stadt, alles war wie ausgel\u00f6scht. Lucios Schritte federten in einer Watteschicht. Er sah ihre langen, d\u00fcnnen Finger, die eine Seite umbl\u00e4tterten, ihr Profil mit der kleinen, runden Nase, den starken Augenbrauen \u2026 da hob sie den Kopf. Ihr L\u00e4cheln durchfuhr ihn bis zu den Zehenspitzen. Es war ein L\u00e4cheln, das nicht nur ihren Mund extrem verbreiterte und ihre schneewei\u00dfen Z\u00e4hne sehen lie\u00df, nicht nur ihre Wangen straffte, ihre Augen in ein Strahlen legte, sondern ihr gesamter K\u00f6rper war davon erfasst. Lucio sah nicht genau, was sie mit den Armen machte, aber es war, als breitete sie diese aus, und er versp\u00fcrte ein Verlangen, sich hineinzust\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Er blieb einen Schritt vor ihr stehen. Sie klopfte mit der flachen Hand auf den Stein neben sich, eine sanfte, fast unauff\u00e4llige Geste. Er stellte seine Tasche ab und setzte sich. Tausend Gespr\u00e4chsanf\u00e4nge rasten durch seinen Kopf. Er hatte sich aber so nahe neben sie gesetzt, dass er sie roch. Es war kein Parfum, jedenfalls kein typischer Parfumgeruch, sondern eher etwas wie R\u00e4ucherst\u00e4bchen oder wie frisches Heu. Er atmete ihren Geruch ein und sagte unvermittelt: \u2013 Du riechst gut. Sie lachten beide. Das kleine Buch war verschwunden. Sie drehte sich eine Zigarette. \u2013 Was liest du? fragte er. \u2013 Emile, von Rousseau. \u00dcber Erziehung. Kennst du ihn? \u2013 Nein. Oder ein wenig. Ist er nicht etwas antiquiert? \u2013 In der Zeit werden Kinder gerade erst als Kinder entdeckt. \u2013 Gut, aber er will sie erziehen. Neill sagt\u2026 \u2013 Neill? \u2013 Er hatte eine freie Schule in England gegr\u00fcndet,Summerhill. \u2013 Und was sagt er? \u2013 Dass jedes Kind selbst wei\u00df, was es braucht.<\/p>\n<p>Anouk summte eine Melodie. We don\u2019t need no education. \u2013 Woher kennst du das? \u2013 Ich habe zwei kleine Br\u00fcder, sagte sie, obwohl das nicht erkl\u00e4rte, woher sie Pink Floyd kannte. Sie schaute in die Ferne. \u2013 Ich glaube, dass sie Erziehung brauchen, aber ich wei\u00df nicht, wie es geht. \u2013 Aber das ist doch gar nicht dein Job, entr\u00fcstete sich Lucio. Was\u2026 macht das nicht \u2026 deine Mutter? \u2013 Hast du Geschwister? \u2013 Nein. \u2013 Hast du einen Vater? \u2013 Ja. \u2013 Wir nicht. \u2013 Doch, ihr habt einen, sagte Lucio fest. Auch wenn er nicht da ist oder\u2026 Er sah sie an, sie nickte. \u2013 Selbst wenn er tot w\u00e4re. Ihr habt einen Vater und der hat euch gepr\u00e4gt und tut es immer noch, er spielt jedenfalls eine Rolle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir werden wild sein versetzt uns in den S\u00fcden Frankreichs. Lucio ist in Nicaragua geboren, seine Eltern sind Deutsche. Julie und Daniel verbrachten eine Zeit in Nicaragua, um sich am Aufbau von Kollektiven nach der Revolution zu beteiligen. Dieser Traum von einem anderen Leben in einer Gemeinschaft hat sie gepr\u00e4gt und besch\u00e4ftigt auch Lucio. 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